Lackpflege – so geht’s richtig !

Mit der richtigen Pflege des Lackes lässt sich das Aussehen und die Anmutung Deines Oldtimers oder Youngtimers sehr stark beeinflussen. Ein frisch gewaschenes und poliertes Auto fällt sofort mit seiner scheinenden Oberfläche ins Auge. Doch bevor wir in die Lackpflege einsteigen folgen ein paar Grundlagen. Denn im Laufe der Zeit haben sich die verwendeten Lacksysteme verändert.

Um 1900:   überwiegend Schellack oder Japanlack, mit Pinsel aufgetragen
Ab ca. 1910:  Nitrocelluloselack, mit Pinsel aufgetragen
Ende der 1920er:
Acrylharzlack (Kunstharzlack) kam auf, mit Pinsel aufgetragen
Ab ca. 1950:  Kunstharzlacke, ab jetzt wird die Farbe mit der Sprühpistole aufgetragen
Ab ca. 1960: Zweikomponentenlacke werden immer mehr eingesetzt

Grundsätzlich kommt auf das blanke Metall erst einmal eine Grundierung. Sie soll die Korrosion des Grundmaterials verhindern. So lange sie nicht verletzt ist oder unterwandert wird, tut sie das auch. Auf die Grundierung wird dann die Farbschicht aufgetragen.

Bei jeder Politur des Lackes wird eine dünne Schicht der Farbe abgetragen. Dies kann bei alten Autos, die noch nie neu lackiert wurden, dazu führen, dass an manchen Stellen die Grundierung durchschaut. Man nennt das dann Patina. Solche Fahrzeuge sind eher selten und können in Teilen auch nicht mit den normalen Zustandsnoten bewertet werden. Häufig erzielen solche Fahrzeuge höhere Preise als ein „besser als neu“ restauriertes Fahrzeug. Wie pflege ich den Lack also richtig ?

Am Anfang steht die Wäsche

Es gibt 2 Möglichkeiten – Nass- oder Trockenwäsche. Fangen wir mit der Nasswäsche an:

Nasswäsche

Um den Lack zu schonen, Haarlinienkratzer zu vermeiden und die vorhandene Wachsschicht möglichst nicht abzutragen, sind schonende Waschchemie (Kein Spülmittel oder starke Reiniger/ Shampoos verwenden, da sie entfetten und sehr schnell die Wachsschicht entfernen) und weichste und saubere Waschutensilien (z.B. Naturschwamm oder Wollhandschuhe) unabdingbar. Andernfalls muss der Lack wieder mit Lackpolitur behandelt werden (führt zu Lackabtrag) und einer erneuten Wachsbehandlung. Aber jetzt geht’s los:

Schritt 1:

sehr gründliches entfernen von losem Schmutz von oben nach unten. Dazu wird das Fahrzeug mit fließendem Wasser ohne Druck abgewaschen.

Schritt 2:

mit 2 Wascheimern arbeiten. Im ersten befindet sich lauwarmes Wasser mit wenig konzentriertem, schonendem Waschmittel; im Zweiten klares Wasser zum ausspülen des Schwammes, um den abgewaschenen Schmutz und Partikel vor dem nächsten Waschzug aus dem Schwamm/Wollhandschuh zu entfernen.

Schritt 3:

Seifenreste mit fließendem Wasser ohne Druck wieder von oben nach unten abwaschen. Ist der Lack gut konserviert, läuft das Wasser fast von selbst ab und man spart sich Arbeit beim Schritt 4.

Schritt 4:

Abledern des restlichen Wassers mit einem sauberen Fensterleder.

Schritt 5:

Kontrolle der Oberfläche durch leichtes überstreichen des Lackes mit der Hand. Verbliebene Ablagerungen, die beim Waschen nicht entfernt wurden, kann man so erfühlen. Um noch feinere Ablagerungen zu entdecken, kann man zwischen Hand und Lack ein Stück Zellophan-Folie legen. Damit erfühlt man kleineste Ablagerungen als Pickel oder Lackstumpfheit.

Schritt 6:

Entfernen dieser hartnäckigen Verschmutzungen mit Reinigungsknete. Damit können fühlbare Ablagerungen wie angetrocknete Baumharze oder Teerspritzer, Insektenreste, Lack- oder Farbnebel, Industrieablagerungen, Flugrost, sauren Regen, Eisenstaubpartikel (auch auf Windschutzscheiben), Bremsstaub entfernt werden. Die Knete ist auf ein handtellergroßes Stück zu kneten. Dann wird die noch feuchte Oberfläche an der zu bearbeitenden Stelle mit dem speziell erhältlichen Gleitmittel für Reinigungskneten oder notfalls mit Autoshampoo-Wasser-Gemisch eingesprüht. Anschließend wird mit der Knete (Es gibt verschiedene Kneten für normale, mittlere und hartnäckige Verschmutzungen) durch leichtes schieben ohne Druck über die Oberfläche die Verschmutzung entfernt. Sind an der Schiebefläche der Knete aufgenommene Schmutzpartikel sichtbar, einfach die Knete zusammenfalten und neu handtellergroß formen. Zum Schluss noch das restliche Gleitmittel aufnehmen und Stelle mit einem Mikrofasertuch trocknen.

Trockenreinigung

Alternativ zur Nasswäsche kann die Oberfläche auch mittels sogenannter Trockenwäsche gereinigt werden. Das bietet sich z.B. nach einer Ausfahrt an, um frische Insektenreste, Baumsäfte oder Fingerabdrücke schnell zu entfernen. Dazu wird der lose Schmutz zuerst mit einem wachsgetränkten Baumwollbesen entfernt. Anschließend wird mit einem sehr weichen Baumwoll- oder Mikrofasertuch durch Aufsprühen und verteilen eines Glanzgleitmittels die leichten Verschmutzungen und Fingerabdrücke gelöst. Mit dem gewendeten oder einem frischen Tuch wird dann der gelöste Schmutz mit der Flüssigkeit aufgenommen. Eine vorhandene Konservierung bleibt damit vollständig erhalten.

Damit ist die Reinigung abgeschlossen und wir können uns dem nächsten Arbeitsgang – Lackpolieren – widmen.

Lackpolitur

Sind bei guten Lichtverhältnissen (Sonnenlicht oder Scheinwerfer) kleinste lineare Kratzer oder Hologramme (kreisförmig) zu erkennen oder ist der lack stumpf und matt, ist es Zeit für eine Lackpolitur. Wie bereits erwähnt, wird bei der Lackpolitur etwas von der Lackschicht abgetragen, weshalb sie nur bei Bedarf durchgeführt werden sollte.

Hat man noch keine Erfahrung mit einer Politur, so ist empfehlenswert, diese zuerst an einer verdeckten Stelle zu testen, z.B. unten an der Beifahrertür. Man sollte immer zuerst die mildeste Variante eines Mittels wählen, um nur so viel Lack, wie erforderlich, wegzunehmen. Dazu gibt man etwas Politur auf ein helles Baumwolltuch und reibt etwa 5 Mal bei leichtem Druck über die Oberfläche. Wie sieht das Lackergebnis aus ? Wie viel Lack ist im Tuch sichtbar ? Ist das Ergebnis zufriedenstellend ? Falls nicht, wiederholt man den Test mit einer Politur mit etwas stärkerem Lackabtrag. Abhängig von der Tiefe der Lackdefekte kann dies eine Schleifpaste, Schleifpolitur oder Glanzpolitur sein.

Beim Polieren von Hand ist darauf zu achten, nur lineare Bewegungen auszuführen. Bei kreisenden Bewegungen wird zu viel Druck ausgeübt. Bei guter Beleuchtung sieht man die Richtung der Mikrokratzer recht gut. Es muss immer gegen die Richtung der Kratzer gearbeitet werden, d.h. bei Längskratzern ist immer quer zur Kratzerrichtung zu arbeiten. Bei kreisförmigen Kratzern von innen nach außen und umgekehrt.

Zum Schluss der Lackreinigung werden getrocknete Poliermittelreste einfach mit einem weichen, langschlaufigen Baumwoll- oder Mikrofastertuch abgewischt.

Der Vollständigkeit sei noch die Lackpolitur mittels Poliermaschine erwähnt. Sie kann eine Arbeitserleichterung sein. Andererseits kann durch ungeübte Handhabung aber auch das Gegenteil der Kratzerentfernung bzw. zu viel Lackabtrag erreicht werden. Deshalb sei diese Methode nur handwerklich begabten Do-it-yourself-Lackpflegern empfohlen. Im Zweifel erst einmal an einer Motorhaube vom Schrottplatz üben, bevor es an die Lackreinigung des eigenen wertvollen Oldtimers geht.

Bleibt noch der letzte Arbeitsgang auf dem Weg zum perfekt glänzenden Fahrzeug.

Lackkonservierung

Dies ist zur Erhaltung des Lackes der wichtigste Arbeitsgang. Die Konservierung mit Wachs schützt ihn vor Industrieablagerungen, Abgasen und Umwelteinflüssen und vermeidet so das stumpf werden. Die oben beschriebene Lackpolitur mit ihrem Lackabtrag kann somit verhindert oder zumindest verzögert werden. Deshalb sollten auch nur schleif- und poliermittelfreie Konservierungsprodukte eingesetzt werden. Kombiprodukte, die beides, Lackreinigung und Konservierung versprechen, können beides nicht richtig, tragen aber unnötig Lack ab. Besser ist es, nur Wachse mit reichlich natürlichen Ölen einzusetzen. Dadurch versprödet der Lack nicht und bleibt bei regelmäßiger Auffrischung lange flexibel.

Der Auftrag erfolgt analog zur Lackreinigung immer durch Bewegungen in Längsrichtung (nicht kreisend). Allerdings wird das Wachs hier statt mit einem Baumwoll- oder Mikrofasertuch mit einem weichen Schwämmchen gleichmäßig und ohne Druck aufgetragen. Nach dem antrocknen werden die Wachsreste mit einem extraweichen Baumwoll- oder Mikrofasertuch entfernt und die Oberfläche poliert.

Handelt es sich nicht mehr um den Originallack (weil das Fahrzeug nach einer Restauration neu lackiert wurde) kann auch ein modernes Lackschutzsystem auf Polymerbasis und künstlichen Wachsen eingesetzt werden.

Auch für die Lackpflege haben wir eine Checkliste erstellt, die die wichtigsten Punkte und Hilfsmittel enthält.

Wir setzen diese Serie zur Oldtimer-Pflege fort. Freuen Sie sich schon auf Beiträge zur Lederpflege, Cabrio-Verdeck-Pflege oder Chrompflege.


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Kommentare

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  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel zur Lackpflege von Oldtimern. Ich habe vor kurzem den Oldtimer meines Großvaters geerbt und da ich mich mit Oldtimer-Aufbereitung nicht auskenne, suche ich jetzt nach Informationen diesbezüglich. Der Lack des Oldtimers muss nämlich dringend gepflegt werden. Guter Tipp, die Politur erst an einer verdeckten Stelle zu testen, wenn man noch keine Erfahrung mit einer Politur hat.

  2. Natürlich weiß ich, dass ein frisch gewaschenes und poliertes Auto sofort mit seiner scheinenden Oberfläche ins Auge fällt. Bei manchen dieser Autos frage ich mich, ob ein Nasswäscher wie in der Industrie dafür verwendet wurde. So eine Sauberkeit habe ich bisher nur dort gesehen.

  3. Hallo,
    danke für euren tollen Beitrag zu diesem Thema! Ich setze mich damit derzeit intensiver auseinander und konnte für mich weitere hilfreiche Informationen mitnehmen. Was vergessen aus eurer Sicht eigentlich viele bei der Pflege und Wartung von ihrem Fahrzeug?
    Viele Grüße Ralf

  4. Ich möchte mich für den interessanten und informativen Blog-Artikel bedanken. Es war wirklich toll zu lesen und ich habe viel neues Wissen erworben. Liebe Grüße Benjamin

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